Wenn dein Pferd tot ist, steig ab

Text: Jes. 55, 1-5

Ein Pferd soll zum Sieg verhelfen. Es wird trainiert, um Höchstleistungen zu erbringen und Erfolge einzufahren. Es gewinnt, der das beste Pferd im Stall hat. Tier und Trainer haben das optimale Programm, das zur Meisterschaft führt. Dieses System wird als Erfolgsmodell gehandelt. Jeder hält gern an der Methode fest, die einmal funktioniert hat. Doch was bis gestern geklappt hat, kann heute in die Hose gehen.

Wenn nur noch digital fotografiert wird, kann ich mit einem 36 Bilder Film nicht mehr landen.

Gott hat einen Erfolgs-Traum mit seinem Volk und setzt auf viel mehr innerliche Beweglichkeit.

1. Gott träumt anders

3 Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. 

Wenn Gott träumt, macht er ein riesiges Fass auf. Die Messlatte für seine Auserwählten geht hoch. Seine Vorstellungen, von dem, was er mit Menschen vorhat, sind jenseits von Gut und Böse. Er denkt in Größenordnungen, bei denen es einem Normal-Sterblichen nur schwummrig wird. Er lebt in Welten, da rotiert menschliches Gehirn. Der Ewige, eines unendlichen Universums, greift nach einem Du. Du Mensch, du mein Volk, ich erwähle dich. Du gefallenes Geschöpf sollst herrlich werden. Was ich bin, soll sich an dir zeigen. Du bist mein Goldstück, du bist mein liebstes Ding. Ohne dich will ich nicht mehr sein. In meinen Bund packe ich ein Vermächtnis, das schon David umgeschmissen hat. Als frommer Krimineller, der haarsträubende Böcke geschossen hat, hat er erfahren, wie ich mit Versagen umgehe. Übeltäter haue ich nicht in die Pfanne, sondern habe mich zu einem Weg durchgelitten, der Mördern und Vertuschern Begnadigung bringt. Mit Christus habe ich Vergeltung in Erbarmen verwandelt. Damit kann ich dort neu anfangen, wo das Tischtuch zerschnitten ist.

Diese Gnade will ich mit dir teilen. Dafür will ich mich mit dir verbinden. Mit dieser Autorität sollst du in diese Welt hineinwirken. Meine Art zu vergeben, will Kriegsbeile begraben. Ich will dich zu einer Führungspersönlichkeit machen, die mit anderen Gesetzen führt. Durch meinen Bund bist du ein Abweichler des Gewöhnlichen. Du stichst heraus, als einer, der mit sich selbst hart ins Gericht geht, um andere in meinem Geist zu führen. An dir soll die Welt erkennen, dass schuldige Menschen, eine große Verheißung haben. Wer aus der Gnade lebt, wird offen für Gottes großen Traum.

2. Aufs falsche Pferd gesetzt

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

Mit einer peinlich unangenehmen Frage trifft Jesaja den wunden Punkt der Glaubenden. Dem Gottestraum stellt er nackte Tatsachen gegenüber. Ihr hab höchsten Führungsauftrag, sollt die Menschen die edelsten Gaben Gottes bringen und seid nicht mal in der Lage euch selbst zu führen. Ihr rackert euch ab von morgens bis abends, und erfüllt trotzdem nicht euren Auftrag. Ihr setzt euch bis zum Umfallen ein und fragt nicht einmal, lebe ich überhaupt Gottes Traum. Euer Leben hat sich an Gott vorbei verselbstständigt.

Seid ihr denn noch in der Lage, euer Tun zu hinterfragen? Er stellt hier eine Frage, die richtig weh tut. Wie sieht es aus mit meiner Selbstreflektion? Wie sehr bin ich unter dem Alltagsdruck noch bereit, mich selbst zu hinterfragen? Merke ich, ob ich noch am Ball bin? Frage ich mich, ob der Weg von gestern auch heute noch der Richtige ist? Wie hart gehe ich mit mir selbst ins Gericht, bevor ich andere verurteile?

Jesaja geht hier ganz scharf an die persönliche Einstellung jedes Einzelnen. Wer sich nicht selbst ständig infrage stellt, verhungert am gedeckten Tisch. Wo Gott seinen Traum mit uns leben will, stehen wir ständig in der Gefahr, Bankroteure zu sein. Wir führen uns, aber seine Sache in den Ruin. Wo wir nicht zur Erkenntnis des Davids gelangen: Ich bin der Mann, verspielen wir die Gnade. Reich Gottes fängt bei mir an. Glaube lebt von dem sich selbst hinterfragen. Glaube fragt nach meiner inneren Bereitschaft, vom toten Pferd abzusteigen. Es hilft nicht, wenn ich an gestern zurückdenke, wo das Pferd lebendig war, aber den heutigen Zustand betrauere. Wo ich mich verrannt habe, wo nichts mehr geht, hilft nur, sich seinen Tatsachen zu stellen. Da zählen keine Ausreden und Erklärungen, sondern nur: Hier bin ich.

Gottes Führung ist dauerhaftes Loslassen meiner Vorstellungen über mich und andere.  Gott kennt und sieht unser ganzes Ringen, er sieht unseren gnadenlosen Einsatz, unseren Kampf um die eigene Existenz. Doch dahinein sagt er knallhart: Leute ihr vergaloppiert euch. Das Blatt wendet sich, wenn ihr auf mich hört. Für Führung brauche ich eure Geschmeidigkeit. Dann werdet ihr Gutes essen und aus meiner Verschwendung leben. Ihr könnt das gar nie erwirtschaften, was ich euch schenken will. Daher steig ab und wage meinen Traum. Glaube gegen deine eigene Wahrheit.

3. Ein Traum erfüllt sich

Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, der dich herrlich gemacht hat.

Absteigen schafft Rumor. Umkehren revolutioniert die Welt. Nicht am Festhalten was uns lieb und wert ist, sondern im bewussten Risiko, fließt Segen. Es ist eine Gnade, wenn einer die Kurve über sich selbst bekommt. Umdenken ist die stärkste, belebende Kraft. Umdenken – umkehren – wieder an den Puls Gottes kommen.

Wo ein Mensch, sich seinen Eingefahrenheiten stellt, kommt Gottes Wagen ins Rollen. Wo wir riskieren, unsere Angst für morgen loszulassen, geben wir Gott die Erlaubnis, unser Leben herrlich zu machen. Wo wir nicht unsere Existenzsorgen vor uns hertragen, erleben wir, dass Gott mit uns viel größer träumt als wir je denken können.

Was mir zum Beginn meines Klostereintritts zugesprochen wurde, war: Machen wir Gottes Angelegenheiten zu den unseren, macht er unsere zu den Seinen.

Wenn wir tatsächlich Vergebung kaufen, werden wir staunen, wieviel Versöhnung in ein Miteinander kommt. Wo wir den Wein abholen, wird sich Christus vergegenwärtigen. Das schlägt Wellen über uns hinaus. Damit baut Gott seine Kirche. Damit werden wir zum weltumfassenden Gedanken von Herrlichkeit. Gottes Geschichte geht durch die Wüstenwege zu den Menschen. Alles was geschieht ist Offenbarung. Gott zeigt sich in allem, was in unserem Leben passiert. Er zeigt sich gerade in den Durststrecken und Kreuzwegen, um darin seinen Einfluss zu vergrößern. Er führt auch dort, wo er uns mit unserem toten Pferd konfrontiert.

Überall begegnet uns die Frage: Bist du bereit abzusteigen, damit mein Traum in Erfüllung geht? Wir sind begnadet, aus dem Überfluss zu schöpfen. Wir sind gerufen zu rufen. Wir sind lebendiges Wort, das Müden Kraft gibt, Irrende führt und Trauernde tröstet. Wir sorgen uns leidenschaftlich um die Sache Gottes, weil er sich längst um uns sorgt. Wir sind gerufen, herrlich zu sein, weil sich Gott verherrlichen will.

Bleiben wir bei uns stehen, oder riskieren wir diesen Traum?

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