Wenn kein Wunder geschieht, sei selbst eines

Text: Joh. 10, 14+15

Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe und sie kennen mich. Ich bin bereit, für sie zu sterben.

1982 kommt in Australien ein Kind zur Welt. An sich etwas völlig Normales, nur dass dieses Baby keine Arme und Beine hat. Einfach ein Rumpf mit Kopf. Wo sonst der Kreisssaal ein Ort der Freude ist, steht Ärzten und Schwestern die Leichenstarre im Gesicht. Horror für die Eltern, die sprachlos sehen, dass bei ihrem Sprössling nur die Hälfte dran ist. Nach erstem Eindruck steht diesem unwerten Leben, nur Entsagung und Abhängigkeiten bevor. Ach du Schreck, ein lebenslanger Pflegefall. Nick Vujicic traf dieses harte Schicksal. Was, wie ein Fehler in Gottes Plan aussieht, wurde zu einem der größten Glaubenszeugnisse der heutigen Zeit. Nick reist inzwischen um die ganze Welt und macht Hundert-tausenden Mut mit seiner Auferstehungshoffnung.

1. So außergewöhnlich

Ich bin der gute Hirte. Ich bin bereit für sie zu sterben.

Christus zückt seine Visitenkarte. Ich bin…

… nicht Ziegenpeter, nicht Geißkopf, nicht Oberwächter über 397 Schafe,

sondern der gute Hirte. Damit verlässt er schlagartig alle sonnigen Vorstellungen von der schönen Schweizer Alm. Wenn Jesus vom guten Hirten spricht, positioniert er sich direkt neben Gott. Ich bin Geführter und Ausführer von höchster Führung. Ich bin einer von denen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Mit zwei schlichten Worten lässt er keinen Zweifel daran, dass Gott mit ihm Geschichte schreibt. Ich bin nicht irgendwer, sondern ich bin Christus, der die Erde aus ihrem Schlamassel erlöst. Ich bin ein Führer der ganz besonderen Art. Ich bin gekommen zu herrschen und zwar nicht über die Menschen, sondern über ihre Abgründe, über das Übel und die Zweifel. Ich bin das Leben, das aus der Versauerung reißt. Ich bin Bollwerk, gegen allen menschlichen Irrtum. Ich bin gekommen, um Totes lebendig zu machen. Ich bin die Neuschöpfung, die den Kreuzweg zu einem Siegeszug macht. Ich lasse mich zerfleischen, damit sich der Lebenswillen Gottes offenbart. Ich bin der Widerspruch in allen Katastrophen, der Unheil zur Vollendung führt. Ich bin der, der Unglück zum Segen werden lässt.

Wo die Ich-bin-Worte im Raum stehen, wird Jesus unser Schicksal. Ich bin der gute Hirte, damit geschieht außergewöhnliche Führung. Da übernimmt Auferstehung das Kommando und ist nicht davon abhängig, ob Leben Arme und Beine hat.

2. So behindert

Ich kenne meine Schafe und sie kennen mich, 

Wie schnell sind wir unterwegs, dem Anderen, dem Leben oder Gott für unsere bescheuerte Situation die Schuld zu geben. Jeder pflichtet bei, wenn einer sein Elend auftischt und verkündet, wie hart das Leben bei ihm zugeschlagen hat. Das Leben ist aus unserer Sicht immer behindert.

Es passieren genügend Tatsachen, die uns am Leben scheinbar hindern. Ein Unfall an der Kreissäge und ratzfatz sind die die Finger fort. Ein Feuer, und du hast von heute auf Morgen keine Kirche und kein Dach über dem Kopf mehr. Eine Krankheit, die als unheilbar diagnostiziert wird, und ein lieber Mensch, der durch ein schreckliches Los ums Leben kommt.

Leben schreit permanent zum Himmel. Leben ist lebensgefährlich und unerträglich. Leben ist aus unserer Sicht ein hoffnungsloser Fall, wo immer und überall Feuerchen aufflammen und Bomben hochgehen.

Doch wer Leben von seinen harmonischen Vorstellungen abhängig macht, die er vom Leben hat, wird lebenslänglich unglücklich sein. Die Behinderung liegt nicht im Leben, sie liegt in uns.

Christus sagt: ich kenne meine Schafe und sie kennen mich. Damit liegt die Behinderung nicht in irgendwelchen Lebensumständen, sondern im Christus-Kennen. Den „ich bin“ erkennen, lässt Leben erkennen. Christus kennt unsere Umstände und wir erkennen in ihm das Leben in diesen Umständen. Das Leben unterliegt somit keinerlei Einschränkungen oder Behinderungen. Wer Christus erkennt, für den ist das Leben nie weg, auch wenn es unerträglich zuschlägt. Im Kennen liegt die Antwort des Lebens. Lachen und Aufatmen hängt von Christus und nie im Stress von außen ab.

Dort wo wir ein Problem mit dem Leben haben, mit irgendwelchen Widrigkeiten, die uns immer wieder zu schaffen machen, ist unser Erkennen behindert. Solches Erkennen geht sicher nicht über Nacht und kann ein langwieriger Prozess sein. Bei Nick hat das Jahre gedauert, dass er sich nicht mehr als behindert sieht. Doch inzwischen führt er ein abenteuerliches Leben, das vor Lebenswillen und Selbstständigkeit sprüht. Er sieht seinen, für uns verkrüppelten Körper als Gottesgeschenk, mit dem er mehr Menschen dienen kann, als wenn alles „normal“ wäre.

 

3. So wunderlich

meine Schafe kennen mich

Christus kennen heißt, vom Osterglaube zu leben. Das Wunder der Auferstehung, ist das Werkzeug in den Händen der Glaubenden. Damit leben wir im Widerspruch zu allem, was das Leben in Stücke zerlegt. Christus zu kennen, verändert die Einstellung zu den Dingen. Im Ja zu Christus, findet ein Krüppel sein Ja, zu seinem Körper.

Das ist die Revolution göttlichen Lebens. Mit dem Osterglaube hat selbst der Tod seinen Sinn. Zu diesem Wunderglauben führt der gute Hirte. Er führt dazu, dass Leben eine viel größere Dimension hat als nur ein funktionierendes Äußeres. Das Wunder von Ostern ist ja gerade, dass Leben dort beginnt, wo menschlich betrachtet alles aus ist. Mitten in der Kapitulation geschieht das wunderliche.

Nick hat schon als kleiner Junge immer wieder dafür gebetet, dass ihm Gott wieder Arme und Beine wachsen lasse. Doch Gott hatte kein Problem, das nicht zu machen. Er wollte in diesem jungen Menschen viel mehr wachsen lassen als nur funktionierende Hände und Füße. Er führte ihn zur Erkenntnis: Wenn kein Wunder geschieht, sei selbst eines.

Wir haben unsere Widrigkeiten nicht zu bekämpfen, oder vor ihnen davon zu laufen, sondern gerade darin einen Osterglauben auferstehen zu lassen. Es gibt unglaublich viele tragische Lebensgeschichten, deren Schicksal zum Wunder geworden ist.

Ein Spitzensportler hat sich bei einem Sturz das Genick gebrochen.  90% gelähmt und im Rollstuhl, gab es immer wieder die Frage: Entweder von der Brücke stürzen, oder weitermachen.  Er hat sich auf das Leben eingelassen und sagt jetzt: Ich weiß, wozu mein Unglück gut war. Ich habe damit den Sinn meines Lebens entdeckt.

Wir kennen den guten Hirten, damit will unsere übelste Situation zum Wunder werden. Wir stehen unter allerhöchster Führung, die nicht vom augenblicklichen Übel abhängig ist. Lasst uns selbst dort Wege finden, wo andere nur Sackgassen sehen. Gib dem Leben die Chance, dass es durch den Osterglauben zum Wunder wird.

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