Wir machen den Weg frei

Lukas 1, 67-79 (Luth 17)

Seit knapp 30 Jahren machen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit diesem Werbeslogan den Weg frei. Da fährt eine alte Dampfeisenbahn in vollem Tempo auf eine Stahlbrücke zu, die in der Mitte unterbrochen ist. Per Kopfkino steht dem Betrachter die Katastrophe vor Augen. Jeder sieht den Absturz kommen, auf den die ahnungslos Reisenden zusteuern. Doch im Moment der Überfahrt, wird der Abgrund mit zwei gleisenden Lichtschienen überbrückt und keiner bekommt nicht einen Funken davon mit, welche Gefahr gerade an ihnen vorübergegangen ist.

Zaharias entdeckt auf geheimnisvolle Weise, wie er mit seinem frischgebackenen Sohn den Weg frei macht.

1. Das Kapital

Gelobt sei der Herr, denn er hat besucht und erlöst sein Volk… 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David . 

Zacharias im Vater-Glück. Im Anblick seines Sprösslings Johannes, bricht er in Jubel aus. Wir kennen viele Väter, die aller Welt voller Stolz ihren Stammhalter präsentieren. Da schwappt schon mal die Freude über einen gesunden Sohn gewaltig über. Solche Väter werden unter dem Glück ihres Nachwuchses, schnell selbst zu überquellenden Wonneproppen. Da sprüht die Dankbarkeit Leuchtraketen zum Himmel, wie bei einem Silvesterfeuerwerk. Ein Vater im Vater-Glück.

Dieses Vater-Glück hat jedoch bei Zacharias noch eine ganz andere Dimension. Vater-Glück, aus der Hand des Gottes Israels. Sein tiefstes Glück ist es, sich in der Erbfolge Davids zu sehen. Sein Sohn ist nicht sein eigenes Kind, sondern damit besucht Gott seine Kinder. Mit dem kleinen Winzling liegt Gottesgeschichte in seinen Händen. Ein Kapital von unschätzbarem Wert. Sein Kind trägt die Züge des alten Vaters Abrahams, von Jesaja, oder dem König Salomo. Da brodelt das gesamte Alte Testament unter seinen Nägeln. Es wird ihm heiß und kalt, bei dem Gedanken, dass in diesem Augenblick eine Zeitenwende beginnt. Er sieht sich als Handlanger in einer Geschichte, die Jahrhunderte vor ihm, in die Geschichtsbücher gemeißelt wurden. Sein Lobpreis ist das fassungslose Erkennen, dass hier die größte Antwort kommt, auf all die Lichter, die in dieser Welt ausgehen. Sein Sohn wird dem einzigartigen Friedensfürsten, dem Wunderbar-Rat und Gott-Held Platz machen. Mit seinem Sohn bahnen sich Lichtspuren in die Abgründe der Welt.

Damit wird ihm auch klar…

2. Der Verlust

Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen.

Wie gewonnen, so zerronnen. So wie der seinen Sohn bekommen hat, wird er ihn gleich wieder verlieren. Er wird nicht seinen Namen Zacharias tragen, sondern Johannes heißen, was mit der bürgerlichen Herkunft überhaupt nichts zu tun hat. Du wirst Prophet des Höchsten heißen heißt, ich habe keinerlei Anspruch auf meinen Jungen. Er kam mit völlig anderer Zweckbestimmung auf die Welt, als ich mir das vielleicht gewünscht hätte. Soviel zum Thema: Mein Bauch gehört mir.

Im Angesicht seines Sohnes muss er sich sagen: ich habe keinerlei Recht, für sein Leben irgendwelche Pläne zu machen. Das Vater- und Bestimmungsrecht hat ein anderer. Er hat zwar ein Kind, steht jedoch als leiblicher Vater in der zweiten Reihe. Eine bittere Pille für Helikopter-Eltern, die die Manger ihrer Kinder sind und jeden Schritt durchplanen und überwachen.  Wo Gott ein Auge auf ein Kind wirft, verlieren die Erzeuger ihr Mitspracherecht. Wie viele Söhne und Töchter konnten nicht ihre Berufung leben, weil Eltern es besser wussten und an die Unternehmensfolge in der fünften Generation dachten. Wo das Kind zum Propheten des Höchsten bestimmt ist, können sich Mütter und Väter nur zurückhalten. Wo Gott nach Menschen greift, verlieren menschliche Interessen ihr Gewicht. Wo Wegbahner für das Licht geboren werden, kann es schon mal in der Familienhierarchie dunkel werden. Eine von Gott erhaltene Gabe stirbt, wo sie nicht gegeben wird und in eine Beauftragung hineinfließt. Dieses Kapital fließt nur, wo es voll und ganz hingegeben wird.

3. Der bahnbrechende Weg

Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest. 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 

Die Schatten des Todes lauern überall um die Ecke. Gerade jetzt in der beginnenden Adventszeit, erleben wir wie finster die Welt ist und wie den Menschen die Lichter ausgehen. Die ausgehungerten Seelen lechzen nach Licht. Sie schmücken sich mit Lichterketten von außen und glauben, dass es auch dadurch von innen hell wird. Die Nacht der Menschen schreit nach denen, die den schweren Gemütern, im Geiste ein Licht anzünden. Dazu werden Wegbahner geboren, die Christus den Weg frei machen. Es braucht Menschen, die sich zurücknehmen und Christus kommen lassen. Glaubende sind Platzmacher für Christus.

Finsternis kann kein Mensch aus sich heraus überwinden. Die ist so mächtig, dass selbst die kämpferischsten und wage mutigsten Flüchtlinge die über 7000 km zurückgelegt haben, um nach Deutschland zu kommen, an den Rand kommen, wenn sie dann am deutschen Beamtenstaat auflaufen. Kerngesunde Menschen kommen an ihre psychischen Grenzen und sehnen sich nur noch nach der Ruhe, die sie dort erfahren, wo sie sich unter den Zug werfen. Finsternis ist die Nacht der Seele, bei der das Leben endet, bevor es richtig begonnen hat. Finsternis ist alles Mittelmaß, ist die antrainierte Beschränkung des menschlichen Geistes, nur noch innerhalb der vorgegebenen Normen zu denken. Eingefahrenes Denken ist das mächtigste, weil unsichtbare Gefängnis, errichtet aus tausendmal gedachten, kleinkarierten, ängstlichen, begrenzenden Gedanken. Seine Mauern sind errichtet aus geistiger Furcht und eingeschliffener Routine, unsichtbar und doch so mächtig, hindern sie dich daran, den eigentlichen Weg der Befreiung auszuloten. Seine Wächter, alte, zähe Überzeugungen darüber, wie die Dinge zu sein haben, gebieten dir, dich mit dem Bekannten zu begnügen. Ein von dieser Umnachtung infizierter Geist, versagt dir kreativ, frei, ungewöhnlich und schräg zu denken und dich geistlich überraschen zu lassen. Wenn dein Geist mittelmäßig tickt, überredet er dich, das Abenteuer zu vermeiden und stattdessen auf Nummer sicher zu gehen. Finsternis täuscht nur das wahre Leben vor, doch in Wirklichkeit verharren wir nur in einer aufgewärmten Komfortzone, die keine Lebendigkeit zulässt. Wir dümpeln nur träge vor uns hin, denn es herrscht keine geistige Frischluftzufuhr. Die zarten Lichtstrahlen einer aufregenden, unbekannten Welt des Glaubens, die von außen in uns eindringen will, übersehen wir, bekämpfen oder belächeln sie.

Advent will mit Christus durch den Trott unser Eingefahrenheiten brechen. Die Finsternis braucht die Johannesse, die den aufgescheuchten und den eingefahren routinierten Menschen, Wege des Geistes und des Lichtes aufreißen. Glaubende gehen Advents-Wege. Sie bahnen Wege durch ihre eigene Nacht und die Nacht der Welt. Sie schöpfen aus dem Kapital, das ihnen in die Hände gelegt ist. Als Propheten des Höchsten, schlagen sie wo sie gehen und stehen eine glühende Schneise für Christus.

Wagen wir es noch gegen alles bessere Wissen, gleisende, leuchtende Lichtspuren über die Gräben dieser Welt zu werfen? Machen wir Wege frei für das Licht, dass in der Finsternis Lobgesang entsteht?

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