Ohne Kompromisse

Luk. 11, 14-23 

Die Politik lebt von Kompromissen. Ohne das Aufeinander-zu-bewegen, keine Jamaika-Regierung. „Leider hätten sich die Parteien in den Sondierungsgesprächen bisher inhaltlich nicht wirklich angenähert. „Ich hätte mir konkretere Ergebnisse gewünscht“, so Robert Habeck von den Grünen. Das schreibt das Handelsblatt vergangene Woche.

Kompromisse und das aufeinander zugehen sind lebensnotwendig für jede funktionierende Form von Gemeinschaft, jedoch für den Glauben sind sie tödlich und unmöglich.

  • Kompromisslos anders

20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen. 

Die Texte im ausgehenden Kirchenjahr, behandeln sehr stark die beiden Ebenen des Reiches Gottes. Die gegenwärtige und die zukünftige Welt, wo etwas Gewöhnliches, von etwas total anderem durchdrungen und überwunden wird. Mit Fingerspitzengefühl schafft Jesus Reich Gottes in einer gottlosen Welt. Er bedient sich eines Fingers, um die Machtverhältnisse auf der Erde neu zu mischen. Er gebraucht ein Organ Gottes, um Dämonen auszutreiben. Mit dem Finger Gottes zeigt er Schöpfungshoheit. Er sagt damit: Wenn ich komme, betritt Gott diese Erde. Er zeigt damit die Visitenkarte seiner Existenz.

Wo Christus ist, handelt ausnahmslos der lebendige Gott. Mit dem Austreiben der Dämonen demonstriert er, wer im Hause dieses Menschen der Herr ist. Er übernimmt ab sofort das Kommando über eine Person, die bisher von anderen Mächten bestimmt war. Das Dämonen austreiben steht für einen mächtigen Christus im Menschen. Wenn Reich Gottes entsteht, bestimmt Christus den ganzen Menschen.

Unter diesem Finger scheiden sich die Geister. Da gibt es nur ein entweder oder. Wo diese Mächte wechseln, geschieht hier und jetzt, dieses andere zukünftige Reich, was es sonst in dieser Welt nicht gibt. Reich Gottes macht man nicht, sondern entsteht durch einen kompromisslosen Christus im Menschen.

  • Ein neckisches Spiel

15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 17 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. 18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die Dämonen aus durch Beelzebul. 19 Wenn aber ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 

Es ist zum Schmunzeln, Jesus einmal derart polemisch zu erleben. Wo die sich Leute über das Wunder wundern und ihn versuchen aufs Kreuz zu legen, dreht er entwaffnend den Spieß um. Er diskutiert nicht, sondern lässt sie in ihrer eigenen Logik auflaufen. Umschrieben sagt er: Wie? Ich habe also mit des Teufels Hilfe diesen armen Menschen gesund gemacht? Ich soll quasi mit dem einen Teufel, den anderen ausgetrieben haben? Das wäre eine noch nie dagewesene Sensation und bei den Teufeln wäre eine Revolution angebrochen, dass der eine den anderen fertig macht. Wenn ihr recht habt, müsstet ihr euch freuen, wenn die bösen Gewalten sich gegenseitig aufreiben. Bei dieser Logik würden sich die Tyrannen nach und nach selber auflösen. Auch beim zweiten Gedanken geht der Schuss nach hinten los. Eure Leute treiben Dämonen aus, das bedeutet, ich befinde mich nach euren Maßstäben in guter Gesellschaft. Merkt ihr nicht die Zweideutigkeit eurer Argumentation? Eure Leute selbstverständlich auf Gottes Seite, und der eine, dem ihr misstraut, genauso selbstverständlich auf des Bösen Seite. Leute, ihr macht es euch da ein bisschen leicht. Jesus liebte es, so verschmitzt mit seinen Gegnern umzugehen, doch eine theologische Beweisführung konnte das nicht sein.

Wir werden bei der Tatsache des Wunders letztlich auf den Glauben geworfen. Das was wir von Jesus sehen, sind keine sichtbaren Beweise, die eine Logik des Reiches Gottes auf den Tisch legt. Auch in der Christusgegenwart bleibt vieles im Verborgenen und im Unverständlichen. Selbst wenn Christus da ist, haben die Menschen Zweifel und ringen darum, ob hier gute oder böse Mächte am Werk sind. Neulich sahen wir eine Reportage über Colonia Dignidad, der Kolonie der Würde in Chile.  Da wurden Menschen in treuem Glauben, in himmelschreiendes Elend geführt. Jesus wird bis zum jüngsten Tage nicht vom natürlichen Menschen erkannt, da er vielen Widersachern zum Verwechseln ähnlich sieht.  Jesus will nicht verstanden werden, sondern geglaubt werden. Er will in den unsichtbaren, widergöttlichen Kräften, die die Menschen quälen und beschädigen, sich mit Macht durchsetzen. Er will das Fremdbeherrschte zurückgewinnen. Das ist seine Dämonenaustreibung, dass er den Buhmann aus unserem Leben verscheucht, mit dem der Böse uns zu erpressen sucht. Dieser Finger befreit aus Fremdbestimmung.

  • Unverbindlich geht nicht

23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. 

Der menschliche Wille ist wie ein Pferd, das geritten wird, vom Guten oder Bösen, so drückt es Martin Luther aus. Wir sind von konstant von Mächten beeinflusst. Und wir können und wir müssen sogar ständig entscheiden wer uns bestimmt. Es gibt kein Niemandsland, es gibt im Glauben keine neutrale Schweiz. Wenn wir nur unsere Gedanken verfolgen, erkennen wir, wie Himmel und Hölle in uns entsteht und nicht von außen auf uns zukommt. Wer sich nicht entscheidet, hat sich auch entschieden. Die Nichtentscheidung wählt ganz bewusst Chaos und Untergang. Wo wir uns vor einer Entscheidung drücken, fängt das Elend an. Entweder eine bewusste Entscheidung für Christus oder wir steuern in den Abgrund. Der Kampf für das kommende Reich Gottes, das einmal alles in allem sein wird, wird nicht über unsere Köpfe hinweg ausgetragen, es wird in uns ausgetragen.

Entscheidung hat mit Scheidung, mit einer Trennung zu tun. Wo ich das eine wähle, entscheide ich mich gegen das andere. Wir trennen uns vor der Alternative die wir hätten. „Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet von sich selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.“ sagt Gottfried Voigt.

Unter diesem Wort, können viele kirchlichen Kompromisse und Toleranzen nicht bestehen. Wo keine eindeutige Christus Entscheidung getroffen wird, spielt ein anderer auf dem Klavier. Das anbrechende Gottes Reich, kennt kein ausharren im Unverbindlichen. Bei Christus sind keine Kompromisse möglich. Reich Gottes ist eindeutig und entsteht nicht über Koalitionsverhandlungen oder Religionsmix. Christen können keine Doppelagenten sein und auf mehreren Schultern Wasser tragen. Wer in die Gemeinschaft der Glaubenden gerufen ist, brennt von ganzem Herzen für den Auftrag an den er gestellt ist, oder er wird zum Handlanger der Zerstörung. Einfach dabei sein und fromm genießen wollen, ohne sich klar zu entscheiden, baut kein Reich Gottes. Christen sammeln für Christus. Sie wollen in sich die neue Bestimmung.

Nichts für weiche unentschlossene Gemüter. Wir leben jeden Augenblick in den Auseinandersetzungen dieser Welt, doch mit jeder Entscheidung die wir treffen, entscheiden wir darüber, für welches Reich wir sammeln. Die Glaubenden wissen um diesen Entscheidungs-Konflikt. Sie gestalten aktiv ihre Entscheidungsprozesse und sehen sich nicht als Opfer unguter Mächte. Die Glaubenden sind nicht besser, doch sie können sich besser dem Bösen widersetzen. Sie können nach eigenem Versagen wieder neu anfangen, weil Christus Gewissensbisse austreibt. Der Übergang vom einen Reich in das andere beruht darauf, dass uns keiner mehr verklagen kann. Mit diesem kompromisslosen Wort blicken wir in allem ausnahmslos auf Herrlichkeit, die sich unter allen Widrigkeiten durchsetzen wird.

Wenn wirklich durch uns und in uns das Reich Gottes sichtbar werden soll, von wem wollen wir uns da beherrschen lassen?

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