Der kleine Mann im Ohr

Joh. 16, 13-15

Habt ihr schon einmal einen modernen Schwerhörigen wie mich telefonieren sehen? Man könnte meinen, die mit Stöpsel im Ohr sind nicht ganz bei Trost. Dabei sind die neuesten Hörgeräte geradezu Wunderwerke der Inspiration. Da hört man nicht nur seinen Gesprächspartner glasklar, sondern da hört man Dinge, die andere gar nicht mitbekommen. Mit einem Smartphone landet das Gespräch direkt im Ohr, ohne das Telefon in der Hand zu halten. Wenn ich telefoniere, sehe ich aus wie ein Bekloppter. Beobachter denken sofort an Psychiatrie. Gespräche ohne Partner muten schizophren an. Zumindest geht es hier nicht mit rechten Dingen zu. Dabei können diese kleinen Freunde in Ohr noch viel mehr. Sie können mir als Navi den Weg ansagen, mir Geschichten erzählen und Musik einspielen, ohne dass irgendjemand das Drumherum wahrnehmen kann.

Mit dieser kleinen Hörgerätewerbung sind wir direkt beim Heiligen Geist.

 

  • Flüstertöne

 

13 Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, hilft er euch dabei, die Wahrheit vollständig zu erfassen. Denn er redet nicht in seinem eigenen Auftrag, sondern wird nur das sagen, was er hört. Auch was in der Zukunft geschieht, wird er euch verkünden.

Zum Schrecken der Jünger, will Jesus wieder weg. Das bisher gehabte Miteinander mit ihm ist vorbei. Seine Rede, sein Führen, sein Heilen, scheint im Geschichtsbuch zu verschwinden. Eine Ära der Gottesgeschichte, wohl nur noch für´s Poesiealbum?

Doch was Jesus hier ankündigt, gab´s noch nie. Jesus geht, der Geist kommt. Es kommt ein Steuerungsinstrument einer anderen Welt. Da kommt Christus flächendeckend und allesdurchdringend. Wo bisher Jesus, der Gott zum Sehen und Anfassen war, wird er durch den Geist zum allgegenwärtigen Christus. Seine Macht verstärkt sich in seiner Unsichtbarkeit.

Der Geist ist kein blasses, unscheinbares Gedenken an Wirkungsjahre Jesu auf Erden, sondern die Vollmacht des Christus’, der jetzt die gefallene Schöpfung erneuert. Es ist nicht der Geist eines verstorbenen Geschäftsführers, in dessen Sinne die Kinder sein begonnenes Werk fortsetzen. Es ist der Geist, mit dem Christus seine Jünger in den weltweiten Gottesauftrag stellt. Dieser Geist lebt nicht aus der Erinnerung, sondern aktiviert das Dasein. Er ist inspiriert aus dem Wort, er ist das Wort, er ist der lebendige und auferstandene Christus. Er ist keine eigenständige Größe, sondern das Echo des lebendigen Wortes. Er ist der Verstärker des Wortes. Er ist der Christus-Verstärker. Er offenbart damit die ganze Welt Gottes. Er verdeutlicht Zusammenhänge zwischen Gott, Christus und Mensch. In diese Wahrheit dringt der Mensch durch den Geist. Er ist die Dauer-Inspiration der unsichtbaren Welt. In das natürliche Dasein, klingt die von außen nicht wahrnehmbare Christus-Melodie hinein.

Diese Flüstertöne…

 

  • verraten neue Geheimnisse

 

So wird er meine Herrlichkeit sichtbar machen; denn alles, was er euch zeigt, kommt von mir. 

Die Jünger und die Glaubenden, der damaligen Zeit, konnten noch nicht über Tod und Auferstehung hinausdenken. Sie erlebten Reich Gottes durch den wundertätigen Jesus in ihrer Mitte. Welche Dimensionen hinter diesem Wirken stecken, war damals unmöglich zu erfassen. Der ganze Glauben war noch sehr erdverbunden.

Erst durch den Geist kann sich Herrlichkeit erschließen. Da wächst ein Erkennen heran, für etwas, was Menschen aus sich nie erkennen können. Durch den Geist lässt Gott hinter die Kulissen schauen. Der Geist ist der Schlüssel für das Erkennen. Wo dieser Geist auf unseren Geist trifft, erkennt der Mensch den handelnden Gott und sich selbst. Menschsein in seinem Vollsinn offenbart der Geist in Gotteserkenntnis und Sündenerkenntnis. Seine Hauptaufgabe ist es, uns, unsere Christusbedürftigkeit aufleuchten zu lassen.

Dem Geheimnis Gottes, kommt der Mensch nicht durch nachdenken und studieren auf die Spur, sondern erst wenn der Geist die Gedanken bewegt. Wo der Geist die Wahrheit erfassen lässt, stellt er den Menschen in die unmittelbare Beziehung zu Christus. Unsere Gottesebenbildlichkeit verdolmetscht der Geist. Wir können Dinge sehen und erfassen, die außerhalb unseres Radius liegen. Mit dem Geist hört es nicht bei unserem Denken auf. Er durchbricht das Menschenmögliche. Gerade das, was wir uns nicht vorstellen können, wofür uns der Horizont zu klein ist, ist die Spezialität des Geistes. Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass das, was von ihm kommt, kein Mensch versteht. Was der Geist offenbart, geht voll gegen die menschliche Logik. Wer es verstehen will, wird es nicht begreifen. Wer vom Geist erfasst ist, wird vom natürlichen Denken in Frage gestellt.

Den Geist erkennt man daran, wo er das Erlösungswerk Christi in die Mitte stellt. Wo nicht Heil rauskommt, ist kein Geist drin.  Der Geist will das Kommando übernehmen, und…

 

  • zeigen wo´s lang geht

 

Alles, was er euch zeigt, kommt von mir.

Es ist immer gut, wenn einer dort, wo wir fremd sind, den Weg zeigt. Der Geist ist Zeiger. Er zeigt nicht nur wer Gott ist und wer wir sind, er zeigt Lebenswege durch die Wüste. Er bringt den Christus an die Nahtstellen des Lebens. Er zeigt dem Volk Israel jährlich beim Passafest den Auszug aus Ägypten. Anhand der Geschichte führt sein Weg aus der Sklaverei, bis zu Christus am Kreuz. Der Geist offenbart dabei das Heil in aller Gottverlassenheit. Er zeigt die Christus Gegenwart im Schrecklichen. Er erhebt nicht in eine Traumwelt, sondern träumt Gottes Traum in einer gefallenen Welt.

Er beschlagnahmt Menschen und spricht Berufungen aus. Er krempelt Menschen um, alles Bisherige an den Nagel zu hängen. Er heißt Wege zu gehen, die vielleicht überhaupt nichts mit unserer Lebensplanung zu tun haben. Wer lässt sich heute noch wie die Jünger damals rufen? Häng´ deinen Beruf und deine Familie an den Nagel und folge mir. Da entsteht schon mal eine Spannung im Gewissen, da gibt es ein paar schlaflose Nächte, und dann siegen doch die „Vernünftigen Argumente“, es doch sein zu lassen. Wieviel Geist wurde in der Berufungsfrage schon abgewürgt?

Der Geist ist der Größte Arbeitgeber, der jede Menge Aufträge zu verteilen hat. Da sind zuhauf Aufgaben in jeder Gemeinde und Gemeinschaft. Er legt sie uns vor die Füße und ans Herz und zeigt uns, dass er die Gaben dazu mitliefert, und dann oft ein müdes Lächeln. Die Antworten, die dann kommen kennt er schon auswendig. „Bin bereits überlastet und ausgebucht.“ „Mehr geht beim besten Willen nicht mehr.“ „Außerdem macht meine Gesundheit das nicht mehr mit und übrigens meine Nächte sind gerade auch nicht besonders.“ Der Geist zeigt, der Mensch kneift. Dieser Gefahr müssen wir uns ständig bewusst sein.

Ja, es kann ungemütlich werden, wenn der Geist treibt. Da kann es schon einmal heißen, bei einem vollen Programm, noch eine Stunde früher aufzustehen. Doch was der Geist zeigt ist doch nicht unmöglich. Wenn er etwas zeigt kennt er uns genau und kennt die Umstände genau und kennt dazu die Wirkungen Gottes in die Umstände hinein. Die Gaben des Geistes erfährt der, der sich auf die Flüstertöne einlässt. Der Geist will das Mehr des Reiches Gottes, gerade dort entfalten, wo das Heil heilsnotwendig ist. Er legt seine Maßstäbe über die Verhältnisse. Sein Zeigen will uns zu viel mehr führen, als das, was wir uns selbst zutrauen und vermögen.

An Pfingsten will der Geist, in aller Auflösung dieser Welt, Reich Gottes möglich machen. Auch einer alternden Gemeinde, einer Kirche, die einer neuen Reformation bedarf, will der Geist aufzeigen, Christus garantiert Leben. Das Heil, in all unseren schweren Tagen, müssen nicht wir bewirken, sondern schafft Christus, zu dem der Geist führt. Wir müssen die Flüstertöne hören, um in die Geheimnisse einzudringen, die er offenbaren will.

Das Charisma ist uns ins Ohr gelegt. Wie weit darf es unseren ganzen Körper durchdringen?

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