20.000 Euro für die Katz´

Mark. 14, 3-9

 

20.000 Euro für die Katz

Geschenke sind ein Ausdruck von Wertschätzung. Man kann darüber unterschiedlicher Meinung sein, wem man, zu was, wie viel schenkt. Ist ein SLK-Cabrio zur bestandenen Führerscheinprüfung der Tochter angemessen oder nicht? Wenn ich meiner Mutter zum 80. Geburtstag einen Blumenstrauß mit 80 weißen Rosen schenke, ist das zu viel? Manch einer sagt: Wir schenken uns zu Weihnachten nichts, es ist ja sowieso alles kommerzialisiert. Was, wie verschenkt wird, drückt die Beziehung zum Beschenkten aus. Da kann ein kleines, schön verziertes Glas mit einem Teelicht drin, Herzen erwärmen. Geschenke kommunizieren. Sie sprechen ihre eigene Sprache. Der Kaktus für die Schwiegermutter, ist mit Sicherheit nicht als Liebkosung zu werten.

Heute erregt ein Geschenkt großes Aufsehen.

 

  • Völlig verprasst

 

da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.  

Was diese Frau in Händen hält, ist ein Vermögen wert. Kenner sprechen von einem Jahresgehalt eines Arbeiters. 20.000 Euro für ein Duftöl. Indische Narder, aus der Familie der Geisblattgewächse extra importiert. Dieser Essenz wird eine den Geist stärkende und das Bewusstsein fördernde Wirkung zugeschrieben. Für gewöhnlich werden davon ein paar wenige Tropfen auf Stirn und Kopf aufgetragen. Hier geschieht eine Volldusche. Das war keine zaghafte Annäherung, sondern ein regelrechter Überfall auf Jesus. Das Beste vom Besten läuft über seinen Kopf, sein Gesicht, seine Haare bis in sein Gewand. Was mag das wohl für ein Sound in diesem Raum gewesen sein? Da war mit Sicherheit keiner mehr, dem dieser Duft nicht in die Nase stieg. Jesus war durchdrungen von Duft und Frische. Mit keiner Geste hat er diese Frau an ihrem Tun gehindert. Sie goss und er genoss. An Jesus ist diese Tat heruntergelaufen wie Öl. Für ihn war das viel mehr als nur Öl. Was diese Frau gerade an ihm verprasst, war ihre ganze Liebe zu Christus. Was sie an Jesus so faszinierte wird gar nicht erwähnt, steht aber sicher im Zusammenhang mit dem geheilten Simon in dessen Haus diese Szene sich abspielt. Auf jeden Fall muss sie Jesus als den verheißenen Messias erlebt haben. Für ihn gibt sie alles. Sie verprasst nicht nur ihr Öl, sondern sich selbst.

Voigt sagt dazu: Besser ein paar erotische Nebentöne als die stumme Kälte des Herzens, in der wir Jesu Wohltaten „kassieren“, ohne ihm Dank und Liebe zu erweisen.“

Nicht jeder kann mit dieser Art von Liebe umgehen. Bei uns würde man sagen, das hat ein Geschmäckle.

 

  • Völlig fassungslos

 

4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.

Jetzt tuscheln die Buchhalter. Nichts gegen Buchhalter, die halten oft durch ein klares Denken und Rechnen die Betriebe zusammen. Das sind Leute die auf Daten und Fakten stehen. Sie fangen auch hier das Rechnen an. Knallhart kalkuliert könnte man mit diesem Wert ein Waisenhaus in Afrika bauen.

Jesus, du selbst bist doch der Anwalt der Armen. Du hast von dem Becher kalten Wassers gesprochen und dass wir dort, wo wir den Geringsten dienen, dir selbst dienen. Wie kannst du zulassen, dass so viel Geld in den Gottesdienst, in die Feier um dich, in die reine Liebe und Anbetung fließen, wenn es dringend für die Mission gebraucht wird?

Hier wird das eine Richtige gegen das andere Richtige ausgespielt. Im „Lasst sie“, drückt Jesus aus, dass man ihn nicht nur im Mitmenschen lieben kann. Jesus hebt nicht das eine mit dem anderen auf, sondern legt den Wert auf das, was jetzt angemessen ist. Die Frau hat das Gebot der Stunde erfasst, jetzt ist Jesus da, ganz direkt und ganz persönlich. Da ist selbst die Fürsorge für die Armen, die Jesus geboten hat zweitrangig. Die Protestierenden zeigen, hier haben sie Christus nicht richtig verstanden. Jesus kann nicht nur auf der sozialen Ebene geliebt werden, sondern es gibt eine ganz unmittelbare Liebe zu ihm. Das war eine ganz besondere historische Stunde, die sich so nicht mehr wiederholen wird, daher war es geboten, genau hier die verschwenderische Hingabe zu investieren.

Sollten wir keinen Sinn für Liturgie, für das feiern um Christus haben und erschöpft sich unser Christsein allein im sozial-ethischen Aktionismus, werden wir hier eines Besseren belehrt. Christus wehrt sich gegen einen Barmherzigkeitsmoralismus. In jedem unserer Gottesdienste ereignet sich Huldigung.  Die zweckfreie Gottesverehrung braucht ihren festen Platz. Viele betrachten die Liturgie im Gottesdienst als unnötiges Rankwerk, wobei sie nicht bedenken, dass dabei das Liebesspiel zu Christus auf der Strecke bleibt.

Jesus verteidigt diese Frau, die sich in aller Stille zu ihm bekennt und damit zum Ausdruck bringt, dass er ihr König ist.

 

  • Völlig königlich

 

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

In diesem Liebesdienst an Christus, passiert etwas, was selbst die Frau in ihrer Hingabe nicht abschätzen konnte. Sie hatte es auf Verehrung und Huldigung für den kommenden König abgesehen und Jesus betrachtet es als seine eigene Totensalbung. Jesus spannt hier einen Bogen und gibt diesem Augenblick eine einzigartig heilsgeschichtliche Bedeutung. Indem er als König gewürdigt wird, macht er deutlich, dass seine Königswürde in seiner Passion liegt. Nicht in Glanz und Gloria liegt seine Macht, sondern in seinem Weg ans Kreuz. Somit wird mit dieser Salbung sein Erlösungsweg besiegelt. Zu diesem Amt wird er unbewusst von dieser verschwenderischen Liebe bestimmt. Wo die Seinen noch erwarteten, das er als Gesalbter nun die Macht ergreifen wird, lässt er sie wissen, dass er in den Tod geht.

Gute Frau, du hast dich nicht geirrt, als du mich zu König salbtest, sondern du hast einen Todgeweihten gesalbt und ihm einen großen Liebesdienst erwiesen. Diese letzte Salbung empfängt er von dieser Frau, was ihm alle Richter, Feinde und Mörder danach schuldig bleiben. Für Christus offenbart sich hier das umfassende Reich Gottes. Hier wird das Kreuz in den Königstand erhoben. Hier ist der umjubelte König des Palmsonntags, der kurz vor seinem schrecklichen Ende steht. Mit dieser Salbung wird das neue Königreich begründet, das nicht aus Macht und Unterwerfung besteht, sondern dadurch, dass wir durch Liebe und die Selbsthingabe von Christus für dieses Reich gewonnen werden. Auf diese kostspielige Weise ist in der ganzen Menschheitsgeschichte noch kein Reich zustande gekommen.

Die Christus-Liebe ist unbezahlbar, daher sind 20.000 Euro nicht für die Katz´. Wo dieses Evangelium verkündet wird, kann es in der Gottesanbetung nicht zimperlich zugehen. Da braucht die Liturgie geradezu farbige und wertvolle Gewänder im Gottesdienst. Da kann die Liebe nur noch verprassen und die Gunst der Stunde auskosten!

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