Kopfüber zum Fest

Letzten Sonntag war Dekorationsbesprechung. Wie soll dieses Jahr Weihnachten im Blumenhaus aussehen. Da ist Weihnachten geworden, bevor ein Engel im Regal steht. Im kleinen Kreis stellten wir dem Prior mit Bildern und Listen unser Konzept vor. Z. B. 4 Weingläser auf den Kopf gestellt auf einem Tablett, als Gestaltungselement für ein Adventsgesteck. Die Kelche mit farbigen Glaskugeln gefüllt. Die Stiele nach oben und die Standfläche als Kerzenteller. Ein ungewöhnlicher Blickfang für die etwas andere Weihnachtsdekoration. Seit diesem Moment lebt Weihnachten in uns. Alle Gestaltungsecken fangen an zu leben. Da hängt ein großer Adventskranz an der Wand, da stehen Laternen in einer Winterlandschaft, eine große Kugel aus Ästen mit vielen Lichtern wird die Kunden begrüßen. Das Tagesgeschäft, das eigentlich vor Allerheiligen mit Gedenktagfloristik abläuft, ist von Weihnachten beflügelt und belebt.
Deshalb, egal was wir gerade machen…
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1. Weihnachten ist jetzt

„Wir haben unsere Heimat im Himmel.“

Egal wo wir gerade leben, wir kommen vom Himmel. In unserem Pass steht bei Staatsangehörigkeit: Himmelsbürger. Wir stehen voll und ganz in dieser Welt, haben jedoch eine andere Identität. Glaubende leben in zwei Welten. Heimat ist das Zuhause, wo unsere Wurzeln liegen. Heimat ist die Welt Gottes, die uns Christus erschlossen hat. Christ sein ist in Christus Zuhause. Heimat ist das A und das O, diese Welt ohne Anfang und Ende. Wir sind da zuhause, wo das Leben nicht mehr unter dem Todesurteil steht, sondern wo die Auferstehung normal ist. Wir stammen aus dem Hause: „Und alles war sehr gut!“ Diese Heimat ist das größte Geheimnis, das es auf der Erde gibt. Von Menschen nie erreichbar, sondern nur durch Christus erfahrbar. Wo wir jetzt im Tagesgeschäft dieser Welt leben, prägt diese verborgene, geheimnisvolle andere Welt das Dasein. Heimatgepräge ist wie eine Erbanlage, die alle Handlungen steuert. Ein Schwabe bleibt auch in Australien ein Schwabe. Wir sind keine Flüchtlinge, die sich mehr und mehr in die Staatsform dieser Welt integrieren und angleichen, sondern wir sind Gäste auf Durchgangsstation. Gäste sind keine Revolutionäre oder Ignoranten. Auch mit himmlischer Staatsbürgerschaft sind wir keine Abgehobenen oder etwas Besseres, sondern bejahen die irdischen Ordnungen. Leben geschieht mitten in der Welt, mit dieser heimatlichen Veranlagung.
Die himmlische Heimat steht nicht in Konkurrenz zu der irdischen Heimat. Es gibt kein besser oder schlechter, oder heilig und unheilig. Auch die irdische Heimat ist Gottes Schöpfung. Sie landet nicht irgendwann als 2. Wahl auf dem Müll. Wenn die neue Welt vollkommen anbrechen wird, wird die Alte nicht entsorgt. Es geht um ein Durchdringen. Irdisches Dasein soll von der himmlischen Wirklichkeit durchdrungen sein.
Wer seine Heimat im Himmel hat, kann sich nicht von dieser Welt abwenden. Es wäre geistlich arrogant, der Schöpfung verachtend und desinteressiert zu begegnen. Sich aus der Welt zurückzuziehen und sich einzig in heilige Räume zu verschanzen, ignoriert seine Schöpfungsverantwortung. Hier sieht die christliche Kirche ihren Auftrag in dieser Welt, in Politik und Gesellschaft. Wer seine Heimat im Himmel hat, wird säkularen und natürlichen Denken immer unbequem sein, weil in ihm etwas lebt, das keiner sehen kann.
Doch für den, für den Weihnachten schon jetzt ist, ist das tägliche Leben eine Dauerinspiration.
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2. Das erfüllt das Heute

„Von dort erwarten wir Jesus Christus, unseren Retter.“ 

Christen sind im Heute immer mit dem Blick auf die Zukunft unterwegs. Sie leben weder jetzt in der Herrlichkeit, noch vertrösten sie sich mit ihr. Es ist nicht jetzt die Zeit der Welt und danach kommt die Zeit des Himmels. Paulus attackiert hier alle schwärmerischen Elemente in der christlichen Gemeinde. Glaubende sonnen sich nicht im Heil und warten gemütlich auf bessere Zeiten. Auf eine Zukunft hin unterwegs sein, ist höchste Aktivität im Jetzt. Wir erwarten den Christus für eine erlösungsbedürftige Welt. Diese Zukunft wird von den Erlösten in das irdische Dasein hinein gelebt. Nach wir vor sind wir die vom Leben gezeichneten, die Kreuzwege zu gehen haben, und doch durch Christus in der Auferstehungsgesinnung leben. In dem wir Christus erwarten, verwandelt sich im Irdischen etwas zu dem Ewigen. Da verwandeln sich unsere Leidenswege und durch uns die Not der Welt.
Ohne diese Erwartung der Glaubenden würde die Welt nie den Christus erleben. Der Glaubende verabscheut die Welt nicht, sondern infiziert sie leidenschaftlich, durch sein unterwegs sein in die Zukunft. In solch einer Erwartung kann man seine Ziele nicht hoch genug. Wer in der Christus-Erwartung lebt, wird regelrecht in die Welt hineingezogen. Glaubende freuen sich an der Welt, weil durch sie das Gotteswunder in der Welt geboren wird. Wir müssen hier unsere Verantwortung erkennen und wahrnehmen. Durch unsere Christus-Erwartung kann diese Welt überhaupt hoffen. Dadurch fließt der Saft durch die Adern der Menschheit.
Zu der Zeit als wir noch keine solche ausgefeilte Weihnachtsplanung vorgelegt hatten, ist man mehr oder weniger von einem Tag in den anderen gedümpelt. Mit dieser Sichtweise glitzern uns allen jetzt schon die Augen, obwohl noch nicht Weihnachten ist. Alles Arbeiten ist durchdrungen von dem, auf das wir zugehen. Das Engagement wird intensiver, die Ideen sprudeln, das Dekorieren wird brennender. Alles ist heiß, alles bekommt mehr Qualität und mehr Tiefe. Wer selbstzufrieden und selbstgläubig stehenbleibt, als würde ihn nichts berühren, was kommt, betrügt sich selbst und andere um ein großartiges Geheimnis, das ihm zugedacht ist.
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3. Versetzt in das Morgen

„Unser hinfälliger, sterblicher Leib wird verwandelt und seinem auferstandenen, unvergänglichen Leib gleich werden. Denn Christus hat die Macht, alles seiner Herrschaft zu unterwerfen.“
Was morgen sein wird, ist unser Heute. Die Realität des Glaubenden lebt nicht aus dem Bewusstsein der vergänglichen Welt. Glaube lebt aus dem Zukünftigen. Da gilt jetzt schon, was uns für morgen gedacht ist. Wer aus dieser Zukunft lebt, holt Gottes Realität ins Jetzt. Seit Christus sind die Erwartenden schon die Erfüllten. Christus beginnt bereits jetzt schon die Gesetzmäßigkeiten dieser Welt zu durchbrechen. Auferstehung geschah mitten in der hinfälligen, sterblichen Welt. Die Gesetze dieser anderen Welt greifen schon. Der Umwandlungsprozess an uns ist schon in vollem Gange. Für Menschen der Zukunft verändert sich jetzt schon das heute. An unseren alltäglichen Aufgaben verwirklicht sich dadurch viel mehr Christus, als wir überhaupt erahnen können.
Für Zukunftsmenschen wird alles Tun zum Gottesdienst. Unser Leben ist ein heiliger Dienst an der Welt. Solch ein Leben wird krisensicher. Wer aus dem Morgen lebt, braucht nicht resignieren, wenn er seinen Dienst in einer vergehenden und sterblichen Welt tut. Wir brauchen uns nicht irre machen lassen, wenn Aufgaben von Misserfolg begleitet werden. Unser Denken und Planen, unser Tun und Lassen in immer vom dem Kommenden bestimmt. Wir können darüber nie passiv bleiben. Wir können es uns nicht leisten einfallslos und faul zu sein. Mit dem Morgen vor Augen werden wir uns nie mit Krieg und Hunger, mit Gewaltherrschaft und Diskriminierung oder irgendeiner Verachtung von Mensch und Welt abfinden können.
Bei aller Realität der Welt, sind wir in eine andere Verfassung gesetzt. Wir gehen mit diesen Realitäten anders um. Wir sehen bei allem, wie das Sterbliche vom Leben verschlungen wird. Wir sehen jetzt schon den auf den Kopf gestellten Weinkelch mit seinen bunten Kugeln und werden es erleben, wie er in Wirklichkeit vor uns stehen wird. Weil das Fest in uns lebt, wird das Leben jetzt schon zu einem Fest.
Um was betrügen wir diese Welt, wenn wir in den Alltäglichkeiten stecken bleiben und von uns nicht dieser Glanz ausgeht?
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Ein Gedanke zu „Kopfüber zum Fest

  1. Leben in zwei Welten
    Das kann auch ganz schön schwierig sein,
    wenn man jung ist, nicht versteht, weil es alles irgendwie zu groß ist, zu viel ist … und keiner einen versteht… weil man es ja auch noch nicht in Worte fassen kann… da gab’s dann zum Glück den Klo-Tür-Spruch „Just visiting this planet“
    So fühlte ich mich immer – wie ein Alien unter diesen komichen Männchen — öööh Menschen ….
    und ich wollte nach Hause!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    inzwischen geht’s besser…
    Die Welten sind ineinander und nur getrennt durch den Schleier der Verstrickungen, mit denen wir hinein kommen in diese Welt –
    Noch immer fällt sie mir oft schwer, die Menschen-Welt…
    geh mal an „Halloween“-Abend aus Versehen durch die Innenstadt einer deutschen Großstadt, dann weißt du, was ich meine….
    Aber
    ich hab mir dann mal wieder geholfen mit singen 🙂
    und so ging ich dann durch die kreischende Menge, in Walking Meditation, vor mich hin singend
    Von guten Mächten wunderbar geborgen…
    hat funktioniert 🙂
    ich war ganz wunderbar geborgen mitten im Chaos…

    Sehr schöne Sätze in deinem Text !

    „Wir stammen aus dem Hause: „Und alles war sehr gut!“
    Jawoll 🙂
    also machen wir dann mal weiter im Gewühle, gell 🙂

    Wünsche dir einen wunder-baren (meinen Lieblings-) Monat November ❤

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