Ein Zwilling kommt selten allein

Römer 6, 3 – 8
 
Ein Zwilling kommt selten allein
Zwillinge – Fluch oder Segen?  Das fragen sich vermutlich erst einmal alle werdenden Eltern, wenn der Frauenarzt beim Ultraschall verkündet, dass da mehr als ein Embryo heranwächst. Doch eine Zwillingsschwangerschaft bedeutet auch Elternglück im Doppelpack!
Wie ist ein Leben, wenn nochmals einer da ist wie ich? Kann sich da überhaupt eine Persönlichkeit entfalten? Findet im Doppelpack eine Potenzierung oder eine Einschränkung des Lebens statt?
Paulus entwickelt tiefgreifende Gedanken für eine unzertrennliche Beziehung.
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1. So wie er, so auch ich

Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen Jesu Christi getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod. Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir ein neues Leben führen. Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung. Damit steht fest: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz. Unser von der Sünde beherrschtes Wesen ist vernichtet, und wir müssen nicht länger der Sünde dienen.“

Wo Menschen aus dem Teufelskreis aussteigen wollen, aus dem, dass alles zugrunde geht, was eigentlich leben will, aus dem, dass alles verwelkt was blühen möchte, kommt nicht an Christus vorbei. Das unsterbliche Lebens-Geheimnis, offenbart sich, in einem ganz engen Verbund mit Christus. Zwei Existenzen gehen auf eine Eizelle zurück. Oder zwei Zellen müssen sich zu einer verschmelzen. Nur damit lässt sich ein tiefer Schaden des Menschen aus der Welt schaffen. Das natürliche Mensch sein, steht eben im Widerspruch zu Gott. Gott und Mensch passen zusammen wie zwei linke Sofa Füße. Da klaffen Welten auseinander. Der Mensch aus sich ist nicht gut, weil er den Guten ablehnt. Mensch sein steht grundsätzlich im Unguten, im Bösen, im Schlechten und endet mit Untergang, Zerrüttung, Krankheit und Tod.

Es gibt kein Mittel, keine Technik oder psychologische Strategien, mit der wir diese Adams-Struktur abtrainieren können. Wenn der Mensch nicht sterben soll, muss das frühere Leben sterben. Es muss das von Gott-Getrennt-Sein sterben. Sünde muss ans Kreuz. Die alte Wesensart muss weg. Das geschieht durch die Zwillingsgeburt mit Christus. Dort wird etwas Neues geboren, wo sich das Erbarmen Gottes mit verdorbener Menschlichkeit verschmilzt. Wir meinen oft, Sünde wird dadurch überwunden, dass wir über uns und die Welt nachdenken. Daraus folgern wir, wir müssen an uns arbeiten. Wir entschließen uns, neue Verhaltensweisen anzueignen. Wir bemühen uns, schlechte Gewohnheiten abzutrainieren und Gute einzuüben. Nicht schlecht! Wer will da behaupten, dass das falsch sei? Eine absolut edle, humane Gesinnung.
Doch bei Sünde geht es nicht um schlechtes Verhalten, sondern um Feindschaft gegen Gott. Die kann man nicht abschütteln, indem wir es morgen „besser machen“ wollen. Es wäre leicht, ein neues Leben zu beginnen, wenn da nicht die geheimen, unheilbringenden Zwänge wären.  Sie sind die treibende Kraft, dass sich die Menschen auseinanderleben, auseinanderstreiten und sich gegenseitig misstrauen. Da muss ein Zweiter unser früheres Leben vernichten. Wir sind ein Christus-Zwilling. Wie kommt es zu so einer engen Verbindung mit Christus? Wenn wir dem nachgehen, suchen wir meistens an der falschen Stelle. Sie geht erstaunlicherweise auch nicht auf das Wort, auf Gemeinschaft oder gar Eucharistie zurück.
Das neue Mensch sein kommt aus der Taufe. Hier überrascht Paulus die Glaubenden, die oft darin ein weniger bedeutungsvolles Ritual sehen. In der Taufe entfalten sich Tod und Auferstehung Christi. Die Taufe bindet uns an den Christus, der das von Sünde beherrschtes Wesen vernichtet. Mit unserem Namen, mit unserer Person verbinden sich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Die Taufe reißt mich mit meinen alten Adam auseinander. Darin liegt der Ursprung von Kirche. Christus und die Getauften bekommt man nicht mehr auseinander. Die gängigen Praktiken von Kindertaufe und Wiedertaufe haben einen Schatten auf diese zentrale Botschaft gelegt. Auch wenn die Kirche Steuerzahler aus der Taufe rekrutiert, beginnt darin das Neue in Christus. Gott hat damit den alten sündigen Menschen durchgestrichen. Gott interessiert sich nicht mehr für den alten Adam. Für ihn ist er tot. Durch die Taufe sind wir durch Christus gerecht gemacht. Das ist kein nettes Symbol von Besprenkeln oder eine eindrucksvolle Geste des Untertauchens, es ist Tod des Alten. Im Kampf mit dem Bösen hat Luther nicht gebetet und meditiert, sondern sein Tintenfass geworfen und geschrien: Ich bin getauft!
Darauf müssen wir uns besinnen und etwas ganz neu lernen. Als Zwilling haben wir einen neuen Status Quo.
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2. Krisensicher im Doppelpack

 Wer gestorben ist, kann nicht mehr beherrscht werden – auch nicht von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.“ 
Unzertrennlich mit Christus, lebt es sich gravierend anders. Von einem Toten, kann man nichts mehr fordern, da ist nichts mehr zu holen. Neu ist, dass das Alte weg ist. Mein Altes, meine Schuldgefühle, das nicht genügen können, sind weg. Hier ist nicht nur ein reparierter, umfunktionierter alter Adam, sondern die neue Auferstehungsgesinnung  im alten Menschen. Unsere Umgebung bleibt alt, die Menschen um uns herum bleiben die Alten, die Probleme sind immer noch die gleichen. Anders ist allein unsere Christus Beziehung, die uns mit bestehenden widrigen Umständen anders umgehen lässt. Mit der Christus Partnerschaft entsteht nicht der Himmel auf Erden, sondern kommt Zukunftsmusik in die gefallene Schöpfung. Wir leben noch nicht in einer erneuerten Welt, sondern Christus hat in uns etwas von dieser neuen Welt geschaffen. Wir sind ein Vorgeschmack auf die neue Welt.
Wir betäuben uns nicht mit göttlichen Zukunftsphantasien und schweben über unser unerträgliches Dasein hinweg, sondern bringen der Unerträglichkeit den auferstandenen Christus. Wir leben mit Christus in den Gesetzen dieser Welt, ohne dass sie uns bestimmen. Für uns gelten die Gesetze der Überwundenen, der Gewinnenden, der nicht mehr vom Tod Beherrschten. Keine Macht der Welt kann uns unsere Freiheit rauben. Wir sind völlig frei zu entscheiden, wie wir mit über uns hereinbrechende Katastrophen umgehen. Mit dem Christus in uns, sind wir nie das hilflose Opfer widriger Umstände. Wir sind nicht dem Schicksal ergebene, sondern immer Handlungsbevollmächtigte. Nichts ist so stark, dass wir davon beherrscht werden können. Keine Anklage, keine Vorwürfe, keine menschen verachtende Gewalt, kann diese neue innere Standfestigkeit auslöschen. 
Pfarrer Theo Lehmann hat vor einiger Zeit in einem Artikel sinngemäß geäußert: „Der Gaube der Christen muss wieder verfolgungssicher und KZ tauglich werden.“
Diese Unabhängigkeit haben wir, diese Zähigkeit können wir durch Christus leben und brauchen kein Regime der Welt zu fürchten. Mit Christus kann uns nichts mehr beherrschen. Selbst Todesdrohungen verlieren mit Christus an der Seite ihre Macht. Sonst würden alle verfolgten Christen in der Psychiatrie landen. Als erneuerte Menschen haben wir alle Macht, über das was uns bestimmt. Es gibt keine Krankheit, keine belasteten Lebensumstände, in denen wir nicht solch ein neues Leben führen könnten. Zukunft im Doppelpack kennt keine Ausreden. Ein Christus Zwilling herrscht über Umstände. Wir können stehen. Wir können Krisen unerschrocken begegnen.
 Wollen wir uns da, nicht viel enger mit dieser Zelle verschmelzen?
 
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