Wenn Korken knallen

Pfingsten, Luk. 2, 1-18
Gilbert Kaplan, Anfang dieses Jahres verstorben, war studierter Wirschaftsjournalist. Er leitete einen Verlag, über eines der größten Wirtschaftsmagazine in den USA. Eines Tages hörte er die 2. Sinfonie von Gustav Mahler. Er wurde derart von diesen Klängen in den Bann gezogen, dass er 1985, nach 15 jähriger Verlagstätigkeit beschloss, Dirigent zu werden. Er fand, dass die bisherigen Interpretationen dieser Musik, Mahler nicht gerecht wurden. Gegen den Widerstand seiner Freunde und Bekannten, verkaufte er sein erfolgreiches Unternehmen und lies sich von den besten Dirigenten unterrichten. Er wollte als „Laiendirigent“ Mahlers 2. so gestalten, wie es bisher noch keiner geschafft hatte. Nach nur knappen 3 Jahren spielte er mit den Londonern Sinfonikern das erfolgreichste  und meistverkaufte Klassikalbum der Welt ein. Danach eröffnete er die Salzburger Festspiele und war ein gefeierter Dirigent an der Mailänder Scala.
Heute trennt uns der Heiligen Geist, von allem eingefahrenen Denken.

Wenn Korken knallen

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1. Normaler Traubensaft

„Zum Beginn des jüdischen Pfingstfestes waren alle Jünger wieder beieinander.“ 
Das jüdische Erntefest, Pfingsten, war der Anlass, dass sich die weltweit verstreuten Juden in ihrem Heimatland einfanden. Hier war die Kulisse, an denen auch die Jünger wieder einmal zusammen kamen. Für die Jesus-Jünger war es nach Ostern schwierig, zu einem organischen, einigermaßen normalen Gemeinschaftsleben zurück zu finden. Ohne ihren Herrn, lief die Sache einfach nicht mehr so rund. Ihr Alltag musste neu strukturiert werden, mit den vielen offenen Fragen, die für sie im Raum standen. Ihre Normalität war, dass der leibliche Jesus bei ihnen war, damit war für sie die Welt und das Reich Gottes in Ordnung. Sie haben sich über ihren anwesenden Jesus definiert, der für sie Sinn und Auftrag war.  Die Auferstehung hat bei ihnen ein großes schwarzes Loch aufgerissen. Für sie ist war Jesus weg, damit kam ihre Glaubensgrundlage ins Wanken. Die Jünger, die Jesus als Mensch kannten, hatten noch keinen Zugang zu der Dimension des Christus. Sie lebten mit ihm in einem irdischen Horizont, bei dem der Herr nötig war, um Gott zu begegnen. Somit konnten sie Ostern nicht verstehen und haben sich verbarrikadiert. Ihnen fehlte vor Gott der Ansprechpartner. Menschen zur Zeit Jesu, sahen die Wunder, die Gott t at, hörten seine Worte, die der Herr weitergab, die immer an den irdischen Jesus gebunden waren. Diese Glaubensebene, die wir heute kennen, konnten sie damals nicht erkennen. Doch das was bisher normal war, sollte neu aufgemischt werden.
An ein edles, gutes Produkt in einer Flasche, legt Gott noch einmal Hand an. Pfingsten durchbricht Denkblockaden.

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2. Wenn der Saft gärt…

„Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten.   Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf  jedem Einzelnen von ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten in fremden Sprachen, jeder so, wie der Geist es ihm eingab.“
Mit dem Heiligen Geist beginnt eine Flaschengärung. Die Flaschengärung ist eine unüberschaubare Weiterentwicklung eines eigentlich fertigen Getränkes. Jeder Winzer bekommt die Krise, wenn der Wein noch einmal schafft. Wo der Heilige Geist auftrifft, gärt es. Selbst Lukas beschreibt es, nach Bildern ringend. Da sind Jünger und dann Sturm, Feuer, Stimmengewirr. Ein Wirbelwind, mischt die beschauliche Gemeinde auf. Hier bricht der Himmel auf. Glaubende erleben Dinge, da fehlen die Worte. Jesus kommt in der Gestalt des Christus zurück. Gottes Erlösungswerk wird vollkommen. Der Geist bringt nicht den bisherigen Jesus wieder, sondern den Erlöser aus der ewigen Welt. Hier verbinden sich Erde und Himmel. Erstmalig sehen Menschen die andere Welt Gottes. Das ist noch eine Steigerung zu den Wundern, die sie bisher kannten. Bei den Jüngern funkt etwas zu ihrem Herrn.
Doch nicht zu dem bekannten Jesus, sondern zu dem vom ewigen Vater Kommenden. Der Geist dolmetscht Zusammenhänge, die Menschen überhaupt nicht wahrnehmen können. Zu Jesu Lebzeiten konnte das keiner verstehen. Der Verstand kann die Welt Gottes nicht erfassen, das geht erst durch den Geist. Mit diesem Geist, beginnt eine neue Gärung. In Gottes Geschichte gibt es ein neues Kapitel. Jesus, der bisher nur für das auserwählte Volk da war, bricht mit dem Geist alle Beschränkungen. Nicht Geist für Juden, sondern Geist für alle. Das Elitenbewusstsein ist zu Ende. Nicht mehr die weltweite Heimatsprache der Juden zählt, sondern der Geist spricht auch spanisch. Der Heilige Geist ist international. Eine unvorstellbare Revolution.
Eine spektakuläre Gärung, bei der…
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3. … eine Flasche unter Strom steht

Petrus erhob sich mit den anderen elf Aposteln und rief der Menge zu: „Hört her, ihr jüdischen Männer und ihr Einwohner von Jerusalem. Ich will euch erklären, was hier geschieht. Diese Männer sind nicht betrunken, wie einige von euch meinen. Es ist ja erst neun Uhr morgens. Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat. Bei ihm heißt es: ‚In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden.
Ab sofort sind Glaubende mit Geist erfüllt. Angereichert mit einem Medium, das sie prägt, antreibt und begeistet. Was Gott ausfüllt, anzündet, erstürmt, macht an keinen natürlichen Grenzen Halt. Da ist die Flasche unseres Lebens viel zu klein. Pfingsten will groß machen. Gott macht einen Quantensprung mit seiner Kirche. Was bisher normal war, gerät auf einmal für Menschen außer Kontrolle. Das was Jahrhunderte richtig war, wird jetzt total anders. Gestern ja, heute nein. Der Geist bricht Gedanken und Einstellungen um. Pfingsten kann Angst machen, weil Dinge möglich werden, die unser Fassungsvermögen sprengen. Da kommt in das Dasein eine zusätzliche Handlungsebene. Auf einmal können wir über das irdische Denkschema hinaus denken, wir wachsen in diese Welt Gottes hinein. Der Geist macht uns größer. Er macht Gottes Einfluss in der Welt größer. Wenn wir es gewohnt sind, in unserer kleinen Welt von Familie, Gemeinschaft, Betrieb und Kommune zu denken, und wollen in die große Politik oder Weltwirtschaft einsteigen, geht das nur über eine Horizonterweiterung. Wir müssen in viel größeren Gesamtzusammenhängen denken lernen. Dazu ist das Herauswachsen aus den Kinderschuhen nötig, um sich in der globalen Welt bewegen zu können. Das bedeutet persönliches Wachstum und Reifen.  Der Geist hat sich aufgemacht, dass wir über uns hinauswachsen. Er will, dass aus unserer kleinen Welt, die große Welt Gottes entsteht. Er will das Unmögliche, zu einer neuen Realität werden lassen. Wir sollen nicht am Menschen Möglichen stehen bleiben; der Geist will uns in das Gott Mögliche stellen. Er will, dass Menschen wie Gott denken und handeln. Was ist das für ein Umbruch, der mit Pfingsten in die Gemeinde kommt? Geisterfüllte reden aus göttlicher Eingebung, haben Visionen und bedeutungsvolle Träume. Sie reden prophetisch und denken weitsichtig. Wer glaubt, steht durch den Geist im menschlich Unglaubhaften. Da sind Dinge möglich, die menschlich vermessen klingen. Der Geist macht unser Leben eine Nummer größer. Unser kleiner Geist verzagt, wenn die großen Herausforderungen des Lebens kommen. Wenn wir auf der menschlichen Ebene bleiben, entdecken wir nie den göttlichen Horizont.
Der Geist fordert uns heraus für die nächste Ebene. Der Geist lockt jede Person zur größten Erweiterung ihrer Persönlichkeit. Feuer und Sturm sind Gottes Markenzeichen an Pfingsten.
Warum sollten wir Angst haben, zu sehr ins Schwärmen zu kommen? Warum wollen wir kneifen,  wenn es an unserer Flasche anfängt, dass Korken knallen?
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