Heilige ticken anders

Kol. 3, 12-17
Menschen verstehen, heißt ihre Werte kennen. Werte steuern das Verhalten. Das Verhalten was wir sehen, ist die Auswirkung eines inneren Programms. Angenehmes oder abstoßendes Verhalten, liegt als Wert in den Tiefen eines Eisberges. Eisberge sind eigentlich Scheinblüten. Sie zeigen nur 10% der Wahrheit. Was oben rausschaut, geht unten neunfach weiter. Wenn es zwischenmenschlich knallt, ist der Zusammenstoß viel weiter unten. Das geschieht auf Ebenen, die keiner durchschaut und kennt. Es ist sehr interessant, sich einmal mit seinen eigenen Werten zu beschäftigen. Man kann sich und andere ganz anders kennen lernen. Neulich hatte ich dazu die Gelegenheit, beim Tag der Gelassenheit in Ulm. „Bestimmen sie aus 42 Werten die 5 Werte, die für Sie am Wichtigsten sind.“ Das waren für mich: Spiritualität, Verantwortung, persönliche Entwicklung,  Zusammenarbeit und Leistung. Dann gab es Familienglück oder Macht und Kontrolle, bei denen einer unbedingt Familie hochhält oder gerne Einfluss über andere bekommt. Werte, die wir innen definieren, zeigen die entsprechenden Handlungen außen.
Unser Text zeigt die Werte eines von Gott Auserwählten.
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1. So wertvoll wie nie

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.“
Fromm sein ist keine Entscheidung für den lieben Gott. Niemand bestimmt: ich will nach christlichen Werten leben. Wahre Christliche Werte kann man sich nicht aussuchen. Christ werden wir, weil Gott uns wählt. Gott beruft zu einem anderen Sein. Gott wählt uns zur Gemeinschaft. Er wählt uns, um seine Werte zu schaffen. Die Liebe in Person, investiert sich in das Wertesystem eines Menschen. Glaubende entwickeln nicht aus sich heraus Qualitäten; Gott legt sie hinein. Von Gott geliebt, ist die unverhältnismäßigste Wertschöpfung, die man sich denken kann. Diese Liebe macht heilig. Diese Liebe macht zum Körperteil seines Leibes. Diese Liebe implantiert Christus. Christus ist das Wertesystems eines Auserwählten. Dadurch sind wir in Gottes Augen heilig. In Christus sind wir jemand, der wir aus uns heraus nie sein könnten. Unser Selbstbewusstsein ist ein Christusbewusstsein. Wir sind wer, weil wir zur Verkörperung des Reiches Gottes berufen sind. Solche Werte machen wertvoll. Solche Werte schaffen außergewöhnliche Persönlichkeiten.
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2. So ganz anders angezogen

„Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!  Das Wort Christi wohne reichlich bei euch. Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn.“
Wertschätzung und Steigerung des Christusbewusstseins verändert Gewohnheiten. Frisches Denken, trägt frische Kleider. Wir handeln nicht in eigener Sache, wir handeln  im Auftrag. Das Wertekonzept des Paulus, als einstiger Christenverfolger und -verächter, wurde radikal auf den Kopf gestellt und machte ihn zu einem Verfechter der jungen Gemeinde. Das ist mehr als ein Sinneswandel im Kopf. Da spielt sich sehr vieles auch auf emotionaler Ebene ab. Da rumort es zwischen grundlegenden menschlichen Bedürfnissen und tiefen inneren Überzeugungen. Wo Gott in diese Schichten eindringt, wird die Grundeinstellung zum Leben umprogrammiert. Da verändern sich unsere Glaubenssätze.Da wird aus: „das kann ich nicht, dazu sehe ich mich nicht in der Lage,“ ein: „ich mache es, ich kann es, durch den der mich mächtig macht.“
Das Wort formt diese Umwandlung von grundlegenden Einstellungen. Wort und Sakrament wirken in uns andere Verhaltensweisen. Wo das Wort nicht reichlich in uns eingeht, fehlt der Programmcode für die Verkörperung des Leibes. Wo nicht in unserer tiefen Bedürfnisebene Christus Zuhause ist, kann kein geheiligtes Verhalten entstehen. Ein Christus den wir nur bekennen, vom dem wir nur auf der intellektuellen Ebene wissen, generiert fromme Schwätzer. Verändertes Tun, entsteht nicht durch das von Christus-Wissen, sondern durch das Christus-Wohnen in uns. Was in uns eingeht, was durch uns hindurch geht, hat die prägende Kraft, die zur Handlung wird. Das was unser aktives Mensch sein ausmacht, geschieht in dem Namen, der bei uns aus und eingeht. Die neue Kleidermode heißt: „aufrichtiges Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Geduld. Was sind das für herrliche Eigenschaften! Menschen können sich mit Disziplin viel antrainieren, aber nicht das, was nur Christus bewirkt. Diese Werte sind die neue Mode, mit denen er seine Heiligen anziehen will.
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3. So vollkommen frei

„Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Belehrt euch in aller Weisheit. Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ 
Werte dienen dazu, dass Miteinander gelingt. Bei der Fa. Google, mit ihren weltweit 52 000 Mitarbeitern,  gibt es einen Wert: „Sei nicht böse!“ egal was kommt, an den sich die Mitarbeiter halten. Je klarer die Werte, umso eindeutiger die Handlungen.
Diese Werte, die Paulus hier der Gemeinde ans Herz legt, wären ohne die göttliche Erwählung eine moralische Zumutung. Wer so etwas fordert, würde überfordern. Ich hoffe, uns ist deutlich, dass die Spitze des Eisberges ein tiefes Inneres hat. Das Verhalten an der Spitze, entsteht nicht oben. Das was Christsein anders macht, ist kein besserer Mensch zu sein, sondern der Christus, im Fundament des Eisberges. An dem, wie wir uns verhalten, erkennt man, wie viel Wort in uns wohnt. Wir sind dazu berufen, heilige Wege zu gehen, in unheiliger Umgebung. In uns lebt eine andere Realität.
Wer getragen ist, kann tragen, kann ertragen. Ertrage deinen Bruder, vergebe deiner Schwester. Wir können tragen, weil Liebe das Belastende in einer Gemeinschaft verbindet. Wer wertgeschätzt ist, kann den Schwachen wertschätzen und ertragen. Wo Gott sich mit Schuld versöhnt hat, brauchen wir nicht mehr mit aufrechnen anfangen. Vergeben statt Vorwerfen. Was passiert denn, wenn wir dem anderen sein Versagen vorwerfen? Wir beißen uns an seiner Schuld fest. Wir halten uns an dem auf, was wir eigentlich los haben wollen, was wir gerne verändert hätten. Die Folge ist Groll, Frust, Magengeschwür. Das Wundermittel dagegen heißt: Vergeben.
Und es heißt auch, mit aller Weisheit belehren. In der Weisheit stecken auch wieder die Werte Gottes, mit der wir belehren. Es ist die vollkommene Liebe, die auf den anderen hilfreich zugeht. Vergebung ist der Wert, der den Weg frei macht, damit Miteinander wachsen kann. Je schneller wir vergeben, je weniger wir einander vorwerfen, umso stärker entfaltet sich die Liebe, die vollkommen werden lässt, d.h. gesund werden lässt, heilt und verbindet. Gott hat diesen Wert geschaffen. Er wählt, er liebt, er vergibt. Das sind die Werte von Reich Gottes, von Gemeinde, und funktionierendem Miteinander. Wir können großzügig vergeben, vergessen, abhaken und uns und andere zu einem Neuanfang befreien.
So gelingt Gemeinschaft in einer unheilige Welt. Gott schenkt uns jeden Tag eine Frische, als sei nie etwas gewesen. Heilige ticken dort wo es menschelt anders.
Welche Werte können die Menschen an uns entdecken, wenn sie die Spitze unseres Eisberges sehen?
Amen.
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